Und dann verändert sich plötzlich etwas.
Dein Kind interessiert sich auf einmal viel stärker für den Hund. Es möchte ihn streicheln, kuscheln, ihn beobachten oder ständig etwas mit ihm machen. Vielleicht läuft es plötzlich auf den Hund zu, umarmt ihn oder möchte unbedingt dabei sein, wenn der Hund gerade frisst oder auf seinem Platz liegt.
Was ist da passiert?
Sehr wahrscheinlich nichts mit deinem Hund.
Dein Kind hat sich weiterentwickelt.
Und genau solche Entwicklungsphasen können das Zusammenleben von Kind und Hund vorübergehend deutlich verändern.
Gerade zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr passiert bei vielen Kindern unglaublich viel.
Sie entwickeln sich sprachlich weiter, können sich immer besser ausdrücken, verstehen zunehmend Zusammenhänge und beginnen, ihre Umwelt bewusster zu beobachten und zu hinterfragen.
Die Welt wird auf einmal interessanter.
Und manchmal gehört dazu auch, dass der Familienhund plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommt.
Vielleicht war der Hund vorher einfach „da“.
Er lag auf seinem Platz, lief durch den Garten oder war beim Familienalltag dabei, ohne dass dein Kind besonders viel mit ihm machen wollte.
Und plötzlich wird er spannend.
Das habe ich auch selbst erlebt.
Mein Kleinkind hat sich lange relativ selbstverständlich neben unserer Hündin Ayla beschäftigt. Ayla war einfach Teil des Raumes und des Familienlebens.
Und irgendwann änderte sich das.
Auf einmal war Ayla ständig interessant.
Meine Tochter wollte kuscheln, sie wollte den Hund anfassen und beschäftigte sich immer intensiver mit ihr. Sie legte beispielsweise die Arme um Aylas Hals, sicherlich aus ganz viel Liebe und Begeisterung.
Aber für einen Hund ist eine Umarmung nicht automatisch angenehm…
Und gerade bei einem kleinen Kind kommt hinzu, dass es Bewegungen noch nicht so fein und kontrolliert ausführen kann wie ein älteres Kind oder ein Erwachsener.
Was liebevoll gemeint ist, kann sich für den Hund trotzdem unangenehm oder bedrängend anfühlen.
Eine Sache ist deshalb im Familienalltag besonders wichtig:
Wenn sich dein Kind verändert, solltest du auch euer Management immer wieder überprüfen.
Vielleicht hat ein Kindergitter bisher wunderbar funktioniert.
Vielleicht konnte dein Hund bisher einfach im Wohnzimmer liegen, während dein Kind gespielt hat.
Vielleicht hat dein Kind den Hund meistens in Ruhe gelassen.
Wenn dein Kind aber plötzlich herausgefunden hat, wie sich das Gitter öffnen lässt, oder nun regelmäßig zum Hund läuft, reicht die bisherige Lösung möglicherweise nicht mehr aus.
Das bedeutet nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.
Es bedeutet einfach, dass sich die Situation verändert hat.
Vielleicht braucht dein Hund jetzt zu bestimmten Tageszeiten einen Rückzugsort, an dem dein Kind ihn nicht erreichen kann.
Das kann ein ruhiges Arbeitszimmer sein, ein anderer Raum oder ein entsprechend abgesicherter Bereich.
Auch ein Kauknochen oder eine Schleckmöglichkeit können dort für eine angenehme Beschäftigung sorgen.
Der Rückzugsort ist dabei keine Strafe!
Im Gegenteil:
Richtig vorbereitet gibst du deinem Hund die Möglichkeit, wirklich zur Ruhe zu kommen.
Eine Situation, die Eltern häufig unterschätzen, ist die Müdigkeit.
Wenn kleine Kinder müde oder überreizt sind, fällt es ihnen noch schwerer, ihre Impulse zu kontrollieren.
Dann kann es passieren, dass dein Kind plötzlich wild durch den Raum läuft und direkt auf den Hund zustürmt.
Auch dann, wenn der Hund gerade auf seinem Kissen liegt.
Oder einen Kauknochen hat.
Oder einfach schlafen möchte…
In solchen Situationen bringt es oft wenig, deinem Kind lange zu erklären, warum es das gerade nicht tun soll.
Denn wenn dein Kind bereits völlig aufgedreht ist, kann es diese Erklärung möglicherweise gar nicht mehr richtig aufnehmen. Geschweige denn sein Verhalten dahingehend anpassen.
Dann braucht es vor allem eines:
Dein Handeln.
Ein Hund muss nicht erst knurren oder schnappen, damit wir erkennen, dass ihm eine Situation zu viel ist.
Hunde zeigen häufig schon vorher, dass sie Abstand möchten.
Achte beispielsweise darauf, ob dein Hund:
Solche Signale solltest du ernst nehmen.
Denn dein Hund kommuniziert damit bereits:
„Das ist mir gerade zu viel.“
Und genau hier kannst du für ihn handeln.
Wenn dein Kind wiederholt auf den Hund zuläuft, kannst du dich zwischen beide stellen.
Du gehst auf deinen Hund zu, stellst dich schützend vor ihn und sorgst dafür, dass dein Kind Abstand hält.
Eine klare Stopp-Hand und ein ruhiges „Stopp“ können dabei helfen oder du hältst dein Kind sanft fest, damit es sich nicht auf den Hund stürzen kann.
Du musst in diesem Moment keinen langen Vortrag halten! Spar dir die Energie des Ärgerns und Diskutierens!
Dein Hund bekommt durch dein Handeln eine wichtige Botschaft:
„Du musst das nicht alleine regeln. Ich kümmere mich darum.“
Das ist gerade im Zusammenleben mit Kindern unglaublich wertvoll.
Denn dein Hund sollte nicht das Gefühl bekommen, dass er sich irgendwann selbst verteidigen muss.
Stell dir vor, dein Hund wurde innerhalb kurzer Zeit bereits mehrfach von deinem Kind angesprochen, gestreichelt, verfolgt oder umarmt.
Vielleicht ist er schon dreimal weggegangen.
Vielleicht sucht er ständig Abstand.
Dann ist irgendwann einfach Schluss.
Nicht erst dann, wenn dein Hund knurrt.
Nicht erst dann, wenn er nach vorne geht.
Sondern schon vorher!
Nimm deinen Hund aus der Situation.
Vielleicht kann er im Garten in Ruhe etwas schlecken oder kauen. Vielleicht geht er in einen anderen Raum und bekommt dort seine Ruhe.
Damit verhinderst du, dass sich immer mehr unangenehme Situationen aufstauen.
Denn auch ein sehr geduldiger Hund hat Grenzen!
Jetzt könnte man natürlich sagen:
„Dann muss mein Kind den Hund eben komplett in Ruhe lassen.“
Aber gerade wenn dein Kind größer wird, bietet diese neue Neugier auch eine tolle Chance.
Denn dein Kind kann langsam lernen, den Hund nicht nur anzufassen, sondern ihn zu beobachten und zu verstehen.
Und daraus können richtig schöne gemeinsame Momente entstehen.
Du kannst dich beispielsweise zusammen mit deinem Kind zu eurem Hund setzen und ganz in Ruhe beobachten.
Wie viele Krallen hat ein Hund?
Normalerweise sind es vorne fünf und hinten vier, wobei die zusätzliche Daumenkralle vorne oft ziemlich versteckt liegt. Vielleicht hat dein Hund sogar eine zauberhafte Wolfskralle, die wenige Hunde haben.
Wie sieht die Hundenase aus?
Was fällt deinem Kind auf?
Warum hat der Hund seitliche Öffnungen an der Nase?
Und warum riecht ein Hund eigentlich so viel besser als wir?
Auch das Herz kann spannend sein.
Du kannst deinem Kind vorsichtig zeigen, wo es den Herzschlag des Hundes fühlen kann, und gemeinsam beobachten, wie schnell das Herz schlägt.
Oder ihr bürstet den Hund gemeinsam, wenn er das angenehm findet.
Ihr könnt kleine Schnüffelspiele machen.
Ihr könnt beobachten, wie sich seine Ohren bewegen.
Ihr könnt gemeinsam herausfinden, wann euer Hund müde wird und schlafen möchte.
So wird aus:
„Ich will den Hund anfassen!“
langsam:
„Ich möchte verstehen, was der Hund gerade macht.“
Und genau das ist ein wichtiger Entwicklungsschritt.
Natürlich kannst und solltest du deinem Kind erklären, was es mit dem Hund machen darf und was nicht.
Aber gerade bei kleinen Kindern ist es wichtig, realistisch zu bleiben.
Ein dreijähriges oder vierjähriges Kind kann durchaus verstehen:
„Der Hund möchte jetzt schlafen.“
Es kann diese Regel fünf Minuten später trotzdem wieder vergessen.
Nicht, weil es dich ärgern möchte.
Nicht, weil es „ungehorsam“ ist.
Sondern weil Selbstregulation und Impulskontrolle noch mitten in der Entwicklung sind.
Deshalb reicht es nicht, einmal Regeln aufzustellen.
Du wirst sie wahrscheinlich immer und immer wieder erklären müssen.
Ruhig.
Geduldig.
Und passend zum Entwicklungsstand deines Kindes.
Aber die Verantwortung für die Sicherheit liegt weiterhin bei dir als erwachsener Bezugsperson.
Das ist vielleicht einer der wichtigsten Gedanken, den du aus diesem Artikel mitnehmen kannst.
Du kannst deinem Kind sehr viel beibringen.
Du kannst ihm erklären, wie ein Hund kommuniziert.
Du kannst ihm zeigen, wie man einen Hund vorsichtig berührt.
Du kannst ihm beibringen, einen Hund beim Schlafen, Fressen oder Kauen nicht zu stören.
Aber du kannst nicht erwarten, dass ein kleines Kind diese Regeln jederzeit zuverlässig umsetzt.
Deshalb braucht es immer beides:
Verständnis und Management.
Dein Kind darf lernen.
Und dein Hund darf geschützt werden.
Wenn dein Kind plötzlich viel mehr Interesse an deinem Hund zeigt, muss das deshalb nicht bedeuten, dass jetzt alles schwieriger wird.
Naja, zeitweise ist das vielleicht so…
Aber es kann auch eine wunderschöne neue Phase sein!
Dein Kind kann beginnen, seinen Hund wirklich kennenzulernen.
Es kann lernen, seine Körpersprache zu beobachten.
Es kann entdecken, dass ein Hund Bedürfnisse und Grenzen hat.
Und du kannst dein Kind dabei begleiten.
Gleichzeitig darfst du immer wieder überprüfen:
Braucht mein Hund mehr Rückzug?
Muss ich bestimmte Situationen besser absichern?
Sind die bisherigen Regeln noch passend?
Braucht mein Kind mehr Anleitung?
Und vor allem:
Wie kann ich dafür sorgen, dass mein Hund gar nicht erst in die Situation kommt, sich selbst verteidigen zu müssen?
Denn genau darin liegt deine Verantwortung.
Nicht darin, dass dein Hund möglichst viel aushält.
Sondern darin, dass er sich auf dich verlassen kann.
Wenn dein Hund erlebt:
„Mein Mensch sieht meine Signale. Mein Mensch nimmt mich ernst. Mein Mensch sorgt dafür, dass ich meine Ruhe bekomme.“
dann entsteht etwas sehr Wertvolles.
Und dein Kind kann gleichzeitig lernen:
Ein Hund ist kein Kuscheltier. Er ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Grenzen.
Das ist eine der wichtigsten Grundlagen für ein sicheres und entspanntes Zusammenleben von Kind und Hund.
>> Höre die Folge hier auf Spotify in meinem Podcast: “Familienglück mit Hundepfoten”
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